Julian Wesner
Bühnenbilder
- 5.10.2026
- 13:00
- MWG Bayreuth
Eine weiße Leinwand, drei bis vier Stunden Zeit und ein Publikum, das den Entstehungsprozess unmittelbar miterlebt: Die Ausstellung „Bühnenbilder“ zeigt 13 Werke des Künstlers Julian Wesner, die ausschließlich im Rahmen von Livepainting-Auftritten entstanden sind. Jedes dieser Bilder wurde innerhalb eines einzigen Auftritts – von der ersten Farbe auf der leeren Leinwand bis zum fertigen Werk – geschaffen.
Wesner arbeitet dabei mit Acryl- und Graffitifarben auf Leinwand und verbindet klassische malerische Elemente mit abstrakten Formen, ungewöhnlichen Perspektiven und verschiedenen Ebenen. Besonders charakteristisch für seine Livepaintings ist der bewusste Wechsel der Perspektive: Während der Show dreht er die Leinwand mehrfach um 180 Grad. Dadurch verändert sich die Wahrnehmung des Bildes – teilweise entstehen regelrechte „zwei Bilder in einem“. Die Grenzen zwischen oben und unten, Landschaft und Abstraktion oder Vorder- und Hintergrund beginnen zu verschwimmen.

Ein besonderer Bestandteil seiner Shows sind fluoreszierende Acrylfarben. Teilweise entstehen die Bilder sogar ausschließlich unter Schwarzlicht, wodurch sich die Farbwirkung während des Malprozesses grundlegend verändert. Licht und Dunkelheit werden damit nicht nur zum Thema der Bilder, sondern zu einem unmittelbaren Bestandteil ihrer Entstehung.
Die in „Bühnenbilder“ versammelten Arbeiten stammen aus Livepainting-Veranstaltungen wie „Painted House“ in der Weinerei, bei denen Wesner seit 2021 regelmäßig auftritt, sowie aus der Veranstaltungsreihe „Color Tor“ in Nürnberg. Color Tor bringt regionale Künstlerinnen und Künstler zusammen und macht den kreativen Entstehungsprozess selbst zum Teil des Abends. Wesner war bereits bei mehreren Ausgaben der Reihe vertreten; Color Tor IV fand beispielsweise am 25. Mai 2024 statt, Color Tor V am 24. Mai 2025.

Thematisch beschäftigt sich Wesner insbesondere mit dem Gedanken der Dualität: oben und unten, hell und dunkel, hinein und hinaus, Wärme und Kälte. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch Komplementärfarben und Komplementärfarbenpaare. Seine Werke bewegen sich häufig zwischen Gegensätzen, die sich gleichzeitig widersprechen und ergänzen.
Als übergeordneten Begriff für seinen aktuellen Stil verwendet Wesner „abstrakte Landschaftsmalerei“. Ausgangspunkt ist dabei seine Ausbildung in der klassischen Malerei, deren Prinzipien er mit abstrakten Elementen und ungewöhnlichen Perspektiven verbindet. Seine Landschaften sind deshalb keine naturgetreuen Abbildungen, sondern eher eigenständige Bildwelten, in denen Landschaft zu etwas Neuem und teilweise Irritierendem wird. Auf seiner Künstlerseite beschreibt er diese Welten als Orte, an denen beispielsweise Wasser bergauf fließen oder Berge bergab wachsen können.
Eine weitere wichtige Inspiration sind sogenannte „Layers“ – Ebenen, die Wesner unter anderem durch seine Beschäftigung mit Architektur und Grafikprogrammen kennenlernte. Manche Bilder entstehen bewusst und konzeptionell aus verschiedenen Ebenen heraus. Andere entwickeln sich intuitiver und spiegeln stärker einen persönlichen Gefühlszustand im jeweiligen Moment des Malens wider. Gerade beim Livepainting treffen diese beiden Herangehensweisen unmittelbar aufeinander: Planung und Spontaneität müssen innerhalb weniger Stunden miteinander funktionieren.

Wesners künstlerischer Weg begann bereits in seiner Kindheit. Er besuchte über viele Jahre eine Kunstschule und entwickelte dort die Grundlagen seiner klassischen Malerei. 2018, im Jahr seines Abiturs, präsentierte er gemeinsam mit einer Mitschülerin erstmals eine größere Ausstellung im Kunstverein Bayreuth. Nach dem Schulabschluss führte ihn sein Weg zunächst in die Architektur, bevor er seine eigene künstlerische Arbeit zunehmend wieder aufnahm. Bereits 2022 wurde er im Rahmen des „Artist of the Month“ des English Post Nuremberg vorgestellt. Damals wurde seine Arbeit vor allem als abstrakte beziehungsweise surrealistische Landschaftsmalerei beschrieben, mit Einflüssen von Bob Ross und Vincent van Gogh.
Seitdem hat sich seine künstlerische Praxis weiterentwickelt. Eine besondere Erfahrung war ein etwa eineinhalbjähriger Aufenthalt in Frankreich, während dessen Wesner viel in einem kleinen eigenen Atelier arbeitete. Heute studiert er Kunstgeschichte und Philosophie an der FAU in Erlangen. Die Beschäftigung mit Kunst ist damit nicht mehr nur praktische Tätigkeit, sondern verbindet sich zunehmend auch mit einer theoretischen Auseinandersetzung mit Bildern, ihrer Geschichte und ihrer Wirkung.
„Bühnenbilder“ macht schließlich genau diesen Prozess sichtbar: Die 13 ausgestellten Werke sind nicht im abgeschlossenen Atelier entstanden, sondern unter den Augen eines Publikums, in einem zeitlich begrenzten und wechselnden Umfeld. Jedes Bild dokumentiert damit nicht nur ein fertiges Ergebnis, sondern auch einen bestimmten Moment, eine bestimmte Stimmung und eine bestimmte Entscheidungskette. Die Ausstellung lädt dazu ein, diese Bilder nicht nur als statische Landschaften zu betrachten, sondern als Momentaufnahmen eines künstlerischen Prozesses, in dem sich Perspektiven, Farben und Bedeutungen ständig verändern.
Julian Wesners Werke können zu den Öffnungszeiten des Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasiums Bayreuth besucht werden.
Weiterführende Links:
https://www.englishpost.de/julian-wesner-go-with-the-flow-art/